PARTHNER vor Ort

Demokratiearbeit praktisch funktioniert am Besten vor Ort im eigenen Verein oder Netzwerk!

Auch in der aktuellen Förderphase wollen wir unsere Akteurinnen und Akteure unterstützen.

Egal ob es schon ein funktionierendes Netzwerk gibt, oder nur erst die Idee und ein paar Mitstreiter:innen da sind, mit unseren Unterstützungsangeboten von Beratung, gemeinsamen Bildungsveranstaltungen, kollegialer Begleitung und Kooperation bei eigenen Bildungsveranstaltungen – wir leisten gerne Hilfe zu Selbsthilfe. In der Regel ist es erforderlich, dass die Ansprechperson vor Ort ein/e ausgebildete/r VEREINS-PARTHNER:IN bzw. DEMOKRATIEBERATER:IN ist.

In Uhlstädt-Kirchhasel engagieren sich VEREINS-PARTHNERin Annett Hergeth und mobile Jugendarbeiterin Sabine Herzinger für ein gutes Netzwerk der 50 örtlichen Vereine und für Nachwuchsengagierte.

In Neckeroda arbeiten die VEREINS-PARTHNERinnen und Landfrauen Christine Schwarzbach und Hannelore Stein an einem Trägernetzwerk für die deutsch-polnische Partnerschaft zwischen Blankenhain und Bystrzyca.

Für Königsee setzen VEREINS-PARTHNER Eckhard Kämmer und sein Mitstreiter Frank Wagner ihre Idee für ein würdiges Jubiläum von 100 Jahren Weimarer Republik beharrlich um.

Darüber hinaus begleiten wir einzelne Initiativen auf Anfrage.

Hier ausführlichere Beschreibungen der genannten Beispiele für PARTHNER vor ORT aus der letzten Projektphase:

Das Wirken der Bürgerschaft in einer der größten Landgemeinden war in den letzten Jahren  darauf gerichtet, mit Hilfe geeigneter Programme Gemeinwohl und Miteinander zu fördern und  Ehrenamtliche in ihrem Tun sichtbar zu machen. Die seit 2013 agierende Bürgerinitiative am  »Entdeckerpfad Saalleiten« ist ein gutes Beispiel dafür, dass Vereinen und Behörden gemeinsam  übergreifende Projektformen und die Einwerbung von EU-Geldern gelingen kann. Die  Gründung das Saalleiten e.V. im Jahr 2016, der das Engagement der Mitglieder des Arbeitskreises  stets einschließt, war dabei unerlässlich und kann als Wertschätzung der Zusammenarbeit  mit den Partnern gewertet werden. Die Vereinsziele spiegeln wieder, wie und wodurch  die Bürgerschaft ihre bisher erreichten Ziele auf die Region Saaleland ausweitet, ganz gleich,  welcher Landkreis dabei erwandert wird oder involviert ist:
 −− Förderung der Jugend- und Altenhilfe, von Kunst und Kultur, 
−− Förderung des Denkmalschutzes, der Bildung und Erziehung, 
−− Förderung der Landschaftspflege, des Umweltschutzes, der Heimatpflege und des bürgerlichen  Engagements.
Aus einem Netzwerktreffen Anfang 2018 kristallisierten sich im Beisein von Landrat Marko  Wolfram, Bürgermeister Toni Hübler und 60 Interessierten aus der Vereins- und Behördenlandschaft  drei Schwerpunkte heraus, die in Arbeitsgruppen mündeten: 
Wandern verbindet
Mit der Etablierung der Arbeitsgruppe »Wandern« werden erstmals alle Heimat- und Wandervereine  angesprochen, Landesforsten und die Gemeindeverwaltung, Waldbesitzer und Jugendliche  (aus Schülerprojektarbeiten) gemeinschaftlich und sinnstiftend einbezogen. Aufgrund der aufgebauten  Netzwerkstrukturen innerhalb von ambitionierten Maßnahmen wie der Ausgestaltung  einer lokalen Wanderwegekonzeption mit Gewinnung von Ortswegewart und Wegepaten, die  sich über längere Zeiträume erstrecken, ist das Wirken am Entdeckerpfad Saalleiten und darüber  hinaus bereits über die Gemeindegrenze bekannt, ebenso die Übernahme der Verantwortung in  Strukturen für eine zielführende Zusammenarbeit. Es gab sieben Treffen und einzelne Gespräche nach Bedarf, der neue Ortswegewart kann zudem eingeworbene EU-Mittel aus dem Programm  LEADER für neue Wege-Beschilderungen in der Kommune planen.
Durch Kooperationen mit Schulen wie z.B. der Grundschule Uhlstädt, der Regelschule Neusitz,  der Fröbelschule Keilhau und dem Gymnasium Gorndorf und Vereinen, die in der Kinder- und  Jugendarbeit tätig sind, wie dem Jugendförderverein Saalfeld-Rudolstadt, der AWO Saale Holzland  und der AWO Rudolstadt oder dem Jugendclub Uhlstädt e.V., zum Beispiel mit niedrigschwelligem  gemeinsamen Handwerken in der Natur, sind sichtbare Ergebnisse und Prozesse  entstanden.
Die Spechtschmiede, die in den Saalleiten als Lern- und Arbeitsort genutzt wird,  entstand 2016 bis 2018 als Mitmachbaustelle. Fast 2.000 Holzschindeln wurden mit Kindern und Jugendlichen selbst hergestellt und angebracht. Sie arbeiteten beim Verfachen des Fachwerks und dem Bepflanzen des Gründaches mit, bauten unter Anleitung eine Waldtoilette und engagierten sich beim Herstellen von Sitzauflagen aus dicken schweren Eichenbohlen, aus denen u.a. 2019 eine »Demokratie-Bank« entstand.
Jugend in die Vereine
Die seit 2018 übergreifend tätige Arbeitsgruppe »Jugend und Vereine« nutzt dieses bestehende  Netzwerk zur Förderung einer engeren Beziehung von Vereinen und Jugend bzw. geht Fragen  nach, wie Jugendliche der 32 Dörfer besser an die Freiwilligenarbeit in der Kommune herangeführt  werden können. Hier gilt es, kreativ zu sein: Im ländlichen Raum sind die Wege weit, Jugendliche meist nicht mobil. Treffen für Abstimmungen können schnell zu einer Herausforderung für Eltern oder Lehrerschaft werden.
Heimat bewahrt Geschichte.
Eine dritte Arbeitsgruppe entstand mit Blick auf die Sicherung von Ortschroniken und Heimatgeschichte in Archiven. Wie machen wir unsere Ortsgeschichte zukunftsfähig? Und wer pflegt die alten Chroniken künftig? Interessierte Geschichtsautor*innen aus der Region sowie der Kreisheimatpfleger Ralf Thun finden hier zum Austausch zusammen und nutzen Fortbildungsformate, wie zum Beispiel zu Bildrechten. Dieser Workshop fand in Rudolstadt im »Alten Rathaus« statt und war komplett überbucht, eine Wiederholung wäre daher wünschenswert. Auf der Suche nach Jüngeren, die sich auf den Weg zukünftiger Geschichtsschreibung machen, kann die Arbeitsgruppe auf die Unterstützung der regionalen Schulen hoffen. Hier finden sich gemeinsame Interessensfelder und Ideen.
Dass in der 6.000-Seelen-Kommune 2019 ein Vereinsstammtisch aus der Taufe gehoben wurde, der auch im Jahr 2020 kommunal unterstützt und von den Menschen geschätzt wird, zeigt, dass mit der PARTHNER-vor-Ort-Arbeit in einer der größten Landgemeinden Thüringens zukunftsfähige Strukturen wachsen. Ein optimierter Veranstaltungskalender der Vereine soll entstehen, die Öffentlichkeitsarbeit soll verbessert werden. Für mehr Miteinander sind kollaborative Aktionen geplant, die den Menschen Gelegenheiten geben, ins Gespräch zu kommen oder andere Ortsteile zu entdecken. Es sind nicht nur die Fortschritte beim Wanderweg, die erfreuen. Mit einer Beantragung von Mitteln der Denkmalpflege rettet der Saalleiten e.V. unter enger Zusammenarbeit mit der Gemeindeverwaltung und weiteren Behörden die letzten Mauern der Wüstung und Kirchenruine Töpfersdorf, einem einmaligen Bodendenkmal direkt am Wanderweg.
 Bewahrt – die Kirchenruine Töpfersdorf. Foto: Norbert Sander 
Die über die Jahre entstandenen Töpfersdorf-Filme, Bucherscheinungen und Fachführungen resultieren aus einem vertrauensvollen Miteinander von Menschen, die ihre Heimat schätzen und kennen. Könnten nicht unbürokratische Förderprogramme aus Bund und Land diese noch jungen Strukturen zukünftig und längerfristig unterstützen, Maßnahmenplanungen so vereinfachen und das ehrenamtliche Engagement in der Region Saaleland wertschätzen? Genug Ideen wären da! 

In Zeiten, in denen Anfeindungen und Drohungen gegen Meinungspluralismus, Anderssein, Menschlichkeit, Religionsfreiheit und Demokratie mit Meinungsfreiheit begründet und Werte unserer demokratischen Grundordnung in Frage gestellt werden, wird die Besinnung auf den Ursprung unserer politischen Freiheiten immer bedeutender.
Deshalb hatten Eckhard Kämmer und Frank Wagner vom »Königseer Literatur- und Geschichtsverein « (KLGV) sich zum Ziel gesetzt, ein zerstörtes lokales Denkmal für Friedrich Ebert, den ersten Präsidenten der ersten Demokratie in Deutschland, wiederaufzubauen. Zusammen mit PARTHNER und der Friedrich-Ebert-Stiftung hat der KLGV dafür eine Veranstaltungsreihe organisiert und eine Debatte um den Wert der Demokratie heute und die Notwendigkeiten ihrer Pflege angestoßen. Sie hatten Erfolg: Am 22. Juni 2019 wurde der Gedenkstein in einem Festakt eingeweiht. Das Denkmal war am 8. Mai 1927 enthüllt und kurz danach im Zuge der Machtübernahme der Nationalsozialisten wieder zerstört worden. Seit 1934, weit mehr als 90 Jahre, blieben die Überreste ihrem Schicksal überlassen.
Als Auftakt der Veranstaltungsreihe fand am 10. November 2018 im Dr.-Max-Näder-Gymnasium Königsee anlässlich 100 Jahren Frauenwahlrecht ein Konzert mit der Sängerin und Schauspielerin Micaela Leon statt. Schirmherrin des Abends war die Thüringer Gleichstellungsbeauftragte Katrin Christ-Eisenwinder. Weiterhin entwickelte der Verein mit Schülern des Dr.-Max-Näder-Gymnasiums und der Regelschule Königsee ein themenbezogenes Projekt. Letztere hat sich auch bereit erklärt, das Denkmal nach der Einweihung in Obhut zu nehmen. Alle drei Schulen aus Königsee hatten sich engagiert in das Projekt eingebracht.
Darüber hinaus fand im März 2019 in Kooperation mit der Friedrich-Ebert-Stiftung eine Ausstellung im Rathaus der Stadt Königsee statt, die den Aufenthalt Friedrich Eberts in Schwarzburg und die Bedeutung der Weimarer Verfassung widerspiegelte.

Der Wiederaufbau des einstigen Friedrich-Ebert-Denkmals war mit ca. 10.000 Euro veranschlagt und es war nicht einfach, Handwerksbetriebe in der Region zu finden, die sich dieser Aufgabe annehmen, z.B. werden Gießarbeiten nur von wenigen Unternehmen in Deutschland ausgeführt. Da es sich ausschließlich um bauliche Tätigkeiten handelte, konnten die Mitglieder des Königseer Literatur- und Geschichtsvereins kaum handwerkliche Eigenleistungen erbringen. Ihr Betätigungsfeld umfasste die Kommunikation der Idee und das Sammeln von Spenden.
Zur Finanzierung des Projekts waren zwei Fördermittelanträge bei der Sparkassenstiftung und für Lottomittel eingereicht worden. Die Planungen des KLGV weckten bei der Sparkassenstiftung Saalfeld Interesse, sie förderte das Projekt mit 2.500 Euro. Außerdem konnte die Friedrich-Ebert-Stiftung gewonnen werden.

Erste Erfolge brachte ein Spendenaufruf. 2.500 Euro konnten verbucht werden. Weitere 1.000 Euro trug der Verein zum Wiederaufbau bei. Im Februar wurde der Auftrag zur Fertigung der Bronzeplakette mit dem Konterfei Friedrich Eberts in Auftrag gegeben.
Bei dem Ziel, eine breite Öffentlichkeit am Wiederaufbau des Friedrich-Ebert-Denkmals in Königsee teilhaben zu lassen, um das Bewusstsein für die Bedeutung der Demokratie zu schärfen, war der Königseer Literatur- und Geschichtsverein auf einem guten Weg. Inzwischen ist der Stein mit der geschliffenem Porträt Friedrich Eberts, den ein Königseer Handwerksbetrieb anfertigte, einer der Gedenkorte für Demokratie in Thüringen.
 

Zwischen dem Verein »Thüringer Färbedorf Neckeroda e.V.« und Vertretern der polnischen Gemeinde Bystrzyca im Landkreis Oława besteht seit 2012 eine partnerschaftliche Beziehung, die sich zu einer tiefen Freundschaft entwickelt hat.
Das Modellprojekt unserer VEREINS-PARTHNERinnen Christine Schwarzbach und Hannelore Stein hat zum Ziel, das kommunale und bürgerschaftliche Engagement in der Kommune Blankenhain für eine Partnerschaft mit Oława in Polen kulturell und fachlich zu unterstützen, zu stärken und auf breitere Füße zu stellen. Dazu haben zwei Netzwerktreffen mit Vertretern der Kommune, Feuerwehr und Sportverein stattgefunden. Auch Bürgermeister Jens Kramer nahm daran teil und freut sich über das Engagement in der Stadt, das er gerne unterstützt.
In einem weiteren Schritt wurde ein Dialog der Kulturen durchgeführt. Geplant war eine Begegnungzwischen Blankenhainer Bürger*innen, polnischen Gästen sowie einer syrisch-kurdischen Familie aus Weimar. Dieses Format hatten die polnischen Freunde schon früher in Neckeroda kennen und schätzen gelernt. In ihrer Heimat unter dem eher rechten Regierungs- und Gesellschaftsklima sind diese Formate schwierig und gerade deshalb höchst wichtig.

Moderatorin Anne Fanenbruck zeigte sich dennoch zufrieden mit der offenen und neugierigen Atmosphäre zwischen den Gästen. Bei gutem Essen wurden deutsche und syrische Fluchtgeschichten erzählt, Frauenbilder reflektiert und Interessantes über die wichtigsten Festtage ausgetauscht.
Eine unentbehrliche Bedingung für europäische Austausche sind die erforderlichen Geldmittel für ihre Durchführung. Der Heimatbund Thüringen e.V. organisierte in Kooperation mit dem Verein »Thüringer Färbedorf Neckeroda e.V.« und der Stadt Blankenhain am 23. Februar 2019 im frisch sanierten Schloss Blankenhain einen Fundraisingworkshop über die Möglichkeiten, für solche Austauschaktivitäten Fördermittel zu akquirieren. Die Veranstaltung richtete sich insbesondere an Aktive aus Vereinen, Schulen, die engagierte Elternschaft sowie Initiativen und Einzelpersonen. Vorkenntnisse waren nicht erforderlich. Die konkreten Inhalte waren:
− Fördermöglichkeiten für internationale Projekte und Begegnungen,
− EU-Ebene: Erasmus+ (Jugend in Aktion) und Europa für Bürgerinnen und Bürger,
− Bundes- und Stiftungsebene,
− Veranstaltungsmanagement: Planung, Organisation und erlaubte Kofinanzierungen,
− konkrete Antragswerkstatt mit Fragerunde und Erfahrungsaustausch.
Referentin Sonja Hümmer vom »Institut für europäische Partnerschaften und internationale Zusammenarbeit« in Bonn (IPZ) beeindruckte mit fundiertem Fachwissen und vielen konkreten Praxistipps. Alle Teilnehmenden erhielten eine umfangreiche Seminarmappe und konnten noch im Workshop erste Förderanträge entwerfen.
Nähere Informationen zur Partnerschaft erhalten Sie über den Verein »Thüringer Färbedorf Neckeroda e.V.«

So zum Beispiel »Talvolk«, eine Bürger*innen-Initiative in vier Dörfern am Stausee Hohenfelden, die sich für gutes Zusammenleben und eine nachhaltige Entwicklung einsetzt. 
Hier haben sich Menschen aus den Dörfern Hohenfelden, Nauendorf, Tonndorf und Tiefengruben zusammengetan, um gemeinsam Ideen und Strategien zu erproben, ihr Tal zukunftsfähig zu machen. Sie engagieren sich für eine gute, enkeltaugliche Entwicklung ihrer Dörfer, kulturelle, soziale und ökologische Vielfalt und sind dabei, konkrete Projekte und Ziele umzusetzen. Die im Februar 2018 gegründete Initiative trifft sich einmal im Monat zu lockerer Runde und Austausch.

Das PARTHNER-Projekt hat hier eine Ideenwerkstatt mit über 80 Teilnehmenden organisiert. Mit zwei Impulsvorträgen und vier produktiven Kleingruppen zu den Themen »Lernen, spielen und Begegnung im Tal«, »Nah- und Selbstversorgung«, »Kultur im Tal« sowie »Organisationsformen« wurden wichtige Eckpunkte für die weitere Arbeit der Initiative gesetzt sowie neue Mitstreiter gefunden.

Auch in Waltershausen setzt PARTHNER in enger Kooperation mit dem Verein »Kultinativ e.V.« eine Veranstaltungsreihe für kulturelle Vielfalt um.
Mit einem Argumentationstraining gegen rechte Stammtischparolen, einem interkulturellen Dialog und einem Erzählcafé wird das Zusammenwachsen der Eingesessenen und der seit 2015 neu Hinzugekommenen befördert.